Neurotechnologie revolutioniert das Lernen

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Lernerfolg hängt vom Grad der Aufmerksamkeit ab, die wir einem Vortrag, Text, Lernvideo, Podcast oder Ähnlichem schenken.

Aber unsere Aufmerksamkeit schwankt und bleibt selten durchgängig auf einem hohen Niveau. Wer kennt es nicht: Ist etwas neu und berührt unsere Emotionen, hören und sehen wir genau hin. Nun pausiert aber nicht einfach der Vortrag, Podcast oder das Lernvideo etc., wenn wir mit unseren Gedanken woanders sind oder uns die Aufmerksamkeit aufgrund von Müdigkeit oder Langeweile verloren geht. Aber warum eigentlich nicht?

Längst wird an den Wegen geforscht, in Echtzeit und auf Millisekunden genau das Niveau unsere geistige Anstrengung bzw. Aufmerksamkeit auszuwerten und für die Steuerung von Lernsoftware zu nutzen. Im Mittelpunkt stehen hier Gehirn-Computer-Schnittstellen (oder engl. Brain-Computer-Interface / BCI), die elektrische Aktivitäten des Gehirns als Spannungsschwankungen an der Kopfhaut ableiten und auf der Basis dieser Elektroenzephalografie (EEG) u. a. eine Kennzahl für geistige Anstrengung („Engagement Index“) berechnen. Mit dieser lassen sich Softwareanwendungen im Kontext von Schule, beruflicher und universitärer Ausbildung bzw. Weiterbildung steuern. Das ist eine Entwicklung, die ungeachtet der großen Fortschritte bei der Auswertung der Elektroenzephalogramme, u. a. in der medizinischen Forschung, in diesem Anwendungsfeld noch am Anfang steht. Die bereits erreichten Fortschritte im Bereich der Bildung sind aber durchaus bemerkenswert. Die folgenden Beispiele geben m. E. einen guten Einblick in diese Neurotechnologie:

  • In China werden ganze Schülerklassen mit Hilfe von kabellosen BCI-Headsets überwacht, die dem Lehrpersonal einen (vermeintlich) genauen Blick auf den aktuellen Aufmerksamkeitslevel jedes einzelnen Schülers geben.

  • Auch Progrentis, ein Unternehmen für Bildungstechnologie in Lateinamerika und Europa, nutzt die kabellosen Headsets von BrainCo in Kombination mit Maschine Learning, um Lernstrategien zu personalisieren.

  • Ein Pionier für kabellose BCI-Headsets, die auf nicht-medizinische Anwendungen abzielen, ist das Unternehmen Emotiv. Dessen Technologie soll die Überwachung der kognitiven Leistung und Emotionen erlauben, aber auch die Steuerung von virtuellen und physischen Objekten mittels mentaler Befehle, die nach maschinellem Lernen von den Algorithmen erkannt werden. SAP und Emotiv haben eine Zusammenarbeit vereinbart, um die Technologie von Emotiv mit der Lernplattform von SAP Fiori 3 zu verbinden: “We’re exploring how to provide a real-time adaptive learning experience that is engaging, insightful, and, at the same time, personalized and optimized to the learner’s needs, preferences, and personality

Interview mit Prof. Olivier Oullier von EMOTIV und Phil Miseldine von SAP (etwas langatmig, die letzten 30 Minuten sind hörenswert):